| Atomkraftwerke
sorgten nicht nur mit ihrem Kühlwasser im Sommer für vorgegarte
Fische. Sie wären Grund ernster gesundheitspolitischer Sorge.
In der Umgebung der Elbmarschmeiler werden seit 1990 bei Kindern
überdurchschnittliche Leukämiewerte gemessen. Doch diese
aktuelle alltägliche Gefahr ruft kaum mediale Aufmerksamkeit
und keine politische Intervention hervor, da der Ursprung radioaktiver
Spaltprodukte in der Elbmarsch zufallsbedingt und nicht von den
Geesthachter Nuklearanlagen herrühre. Liegt dies schlicht daran,
dass die Gutachter nicht unabhängig waren? Und was hat es mit
den dortigen Mininukes auf sich?
Dr. Sebastian Pflugbeil (Jahrgang 1947), amtierender
Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, verspricht
einen interessanten und recherchegestützten Vortrag.
Pflugbeil gehörte in der DDR zu den wenigen Wissenschaftlern,
die sich bereits Anfang der 80er Jahre der Opposition anschlossen
und gründete 1989 das Neue Forum mit. Nach der Katastrophe
von Tschernobyl war der promovierte Physiker in den Umweltgruppen
ein gefragter Referent, erarbeitete im Auftrag der evangelischen
Kirche Studien zu den Gefahren der Atomenergie und unterstützte
Michael Beleites‘ Samisdat-Publikation „Pechblende“,
die den unverantwortlichen Uranabbau bei Gera thematisierte. Als
Minister in der nachrevolutionären DDR setzte er 1990 die Abschaltung
des AKW Greifswald durch.
Die Gesellschaft für Strahlenschutz wurde 1990 in der Bundesrepublik
gegründet, weil in den schon länger bestehenden Fachgesellschaften
die heute vorhandenen Erkenntnisse zum Strahlenrisiko und zum Strahlenschutz
nicht ausreichend berücksichtigt und umgesetzt würden.
Diese internationale Fachgesellschaft verfolgt u.a. den Zweck, auf
der Grundlage physikalischer, biologischer und medizinischer Erkenntnisse
den bestmöglichen Schutz von Mensch und Umwelt vor Schäden
durch ionisierende und nicht ionisierende Strahlung zu erreichen.
Sie ist gemeinsam mit der „Bürgerinitiative gegen Leukämie
in der Elbmarsch“, den „Ärzten gegen den Atomkrieg“
und weiteren Wissenschaftlern der Auffassung, dass am 12. September
1986 radioaktive Stoffe in die Elbmarsch freigesetzt wurden, die
nicht natürlichen Ursprungs sind, da sie vor allem in der Umgebung
des Kernkraftwerks Krümmel und der Kernforschungsanlage GKSS
auftreten. In letzterer war an diesem Tag ein Brand ausgebrochen.
Weitere Informationen über den Referenten:
http://www.gfstrahlenschutz.de. |